| Urheber | Jacob Bollschweiler |
| Druckjahr | 1906 |
| Blattgrösse (cm) | 105×75.5 |
| Drucktechnik | Lithographie |
| Druckerei | Art. Institut Orell Füssli |
| Zustand | A- |
| Angebotspreis | 8'800 CHF |
| Kategorien | Graubünden, Schweiz, Tierisches |
Jacob Bollschweiler war kaum 16 Jahre alt, als sein im Rahmen eines vom Verkehrsverein Graubünden veranstalteten Wettbewerbs – gefordert war ein Plakat, das den Kanton als Sommerdestination anpreist – eingereichter Entwurf unter den 64 Einsendungen prompt den 1. Preis gewann (und Bollschweiler 300 Franken). Vor allem aber: “Das mit dem 1. Preis ausgezeichnete Plakat soll sofort ausgeführt werden”, heisst es in der Mitteilung der Jury im März 1906. Und so kam es dann auch; gedruckt wurde auch eine französische Version.
Bollschweiler ist – sicher auch dank einer gewissen jugendlichen Unbeschwertheit, die sich nicht gross um Traditionen scherte – mit der eleganten Dame auf dem Pferderücken vor dem Piz Bernina tatsächlich nicht bloss ein frischer, sondern ein für diese Zeit und nicht nur für (zu diesem Zeitpunkt noch etwas hinterherhinkenden) Schweizer Verhältnisse ungemein moderner Wurf gelungen: Fokus auf ein Motiv, eine auf Fernwirkung bedachte Komposition mit grossen und klar abgegrenzten Farbflächen ohne jegliches Klein-Klein und ohne an Tiefe zu verlieren, wobei das zurückhaltende Jugendstil-Dekor wie auch die Schrift die Wiener Secession in Erinnerung rufen. Respekt auch der Jury sowie dem seinen Mitgliedern Rechenschaft schuldenden Verkehrsverein, die sich nicht scheuten, einem Teenager das Vertrauen auszusprechen (denn sie hätten nach Bekanntwerden des Urhebers zweifellos Mittel und Wege gefunden, auf einen anderen Entwurf umzuschwenken).
Bollschweiler (1889 – 1938, Flugzeugabsturz bei Neapel) wurde in Lörrach geboren, kam aber schon als Kind nach Zürich und liess sich zum Handlithographen ausbilden (das waren jene Angestellten einer Druckerei, welche die angelieferten Entwürfe auf die Steine übertrugen), ehe er die Kuntsgewerbeschule in Karlsruhe besuchte. Da von ihm bloss ein weiteres Plakat aus dem Jahr 1908 bekannt ist, kann man davon ausgehen, dass er seine Zukunft – da war er Anfang des 20. Jahrhunderts bei weitem nicht der einzige Bildende Künstler – nicht im Bereich der Auftragsarbeiten sah. Tatsächlich fand eine seiner Druckgraphiken Aufnahme in die heute als herausragend geltende, zwischen 1918 und 1930 in Mappenform erschiene Zeitschrift “Die Schaffenden” des Berliner Galeristen und Verlegers Paul Westheim.
womöglich ebenfalls von Interesse – und auch ein ausgesprochen frühes sowie modernes Tourismus-Plakat:
